Lars Eidiniger │Hauspostille von Bertold Brecht

Musik & Worte

Lars Eidiniger │Hauspostille von Bertold Brecht

Foto: © Ingo Pertrame
Lars Eidinger
Schauspieler/in

PROGRAMM

„Von Sonne krank und ganz von Regen zerfressen / Geraubten Lorbeer im zerrauften Haar/ Hat er seine ganze Jugend, nur nicht seine Träume vergessen/ Lange das Dach, nie den Himmel, der drüber war“. Die „Hauspostille“ ist Punk. Ein wilder Brecht arbeitet sich an den Rändern des Asozialen ab. Er feiert die Verfluchten und säuft mit den Geächteten. Seine dunkle Poesie weidet sich an der schaurigen Schönheit des Morbiden – ein Vorbild für Ikonen der Popkultur wie Iggy Pop, Nick Cave, oder Tim Burton. Verführte, ertrunkenen Mädchen in „seichten, braunversumpften Teichen“, Mordlust, Geilheit, Gier und rohe Gewalt, kurz alles Abgründige, Schmutzige, das die brave Elterngeneration verschämt hinter blütenweißen Gardinen versteckt, wird tabulos ans Licht gezerrt. Scheinheiligkeit wird lustvoll entlarvt. Lars Eidinger hat als Schauspieler ein Faible für Figuren, die etwas zu verbergen haben. Im Tatort spielte er den einzigen Mörder, der seinen Ermittlern entkam. Beim Brechtfestival in Augsburg knüpft er nahtlos an seine Rolle in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ an. Er nimmt einen tiefen Atemzug vom wilden Brecht und bringt dessen Lyrik mit der musikalischen Begleitung von Hans Jörn Brandenburg als radikal funkelndes Gesamtkunstwerk auf die Bühne.

KÜNSTLER

  • Lars Eidinger

    Foto: © Ingo Pertrame

    In Berlin geboren, ist Lars Eidinger seit 1999 Ensemblemitglied der Schaubühne. Von 1995–99 Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Während des Studiums für zwei Jahre Gast am Deutschen Theater Berlin.

    Parallel zur Schauspieltätigkeit verschiedene musikalische Arbeiten, DJ in verschiedenen deutschen Clubs und der Schaubühne Berlin.

    Als Regisseur inszenierte er an der Schaubühne bereits »Die Räuber« von Friedrich Schiller (2008) und »Romeo und Julia« von William Shakespeare (2013). Zuletzt war er als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

    Seit 2005 ebenfalls zahlreiche Arbeiten als Filmschauspieler, u. a. in den Kinofilmen „Alle Anderen“ (Regie: Maren Ade, „Was bleibt“ (Regie: Hans-Christian Schmid), „Clouds of Sils Maria“ und „Personal Shopper“ (Regie: Olivier Assayas), „Die Blumen von Gestern“ (Regie: Chris Kraus), 25 km/h (Regie Markus Goller), „Persischstunden“ (Regie Vadim Perelmann),  „Joan Verra“ mit Isabelle Huppert (Regie Laurent Larivière) und jüngst „Wheat Germ“ with Adam Driver and Greta Gerwig (Regie Noah Baumbach).

    Lars Eidinger erhielt zahlreiche Preise, darunter den Preis der Deutschen Filmkritik, den Grimme Preis, den Österreichischen und den Bayerischen Filmpreis oder den Ernst Lubitsch Preis.

    Mit dem Film „Schwesterlein“ mit Nina Hoss (Regie Stéphanie Chuat, Véronique Reymond) geht er ins Rennen um eine Oscar Nominierung für den besten Ausländischen Film.